Krümel, Krümmler und das Salz des Lebens

Klirrrrr:

Das Klingelzeichen-Geräusch eines weg geworfenen Kronkorkens aus dem Mikrofon meines Handys kündet mir von einer brandneuen Videonachricht meiner kleinen zehn Monate alten Zuckermaus-Enkelin aus dem Familien-Urlaub am azurblauen Meer.
Beim Betrachten des kleinen Filmes brennt sich bei mir in unvergesslichen Bildern die schiere Glückseligkeit einer einfachen Nahrungsaufnahme ein.

Im Badehöschen auf dem Bauch ihres Vaters schaukelnd, einen Rest von Krümelkeks in der Hand, gibt sich unser Herzenskind in aller Ruhe und mit allen Sinnen der Freude des einfachen Essens hin:
Njam, njam, mhhhh, hamnjam.. Es ist schwer, diese unsagbar sinnlichen Laute in einer geschriebenen Form wiederzugeben. Einfacher wäre es, das Video selbst an dieser Stelle einzufügen, aber das mache ich aus Datenschutz-gründen natürlich nicht.

Auf den ersten Blick zeigt das Urlaubsfilmchen wenig Action, …nur eine einzige Kamera-Einstellung auf den weiblichen Star in ,real time’ und  der Film geht  ab.

Unsere Hauptdarstellerin ist ungemein focussiert – ihr ausgesprochen bröseliges Backwerk wird in tranceähnlicher Ruhe mit der Zunge erkundet, mit den wenigen Zähnchen geräuschvoll geknackt und zerraspelt, mit Spucke vermatscht, durch die Zahnritzen gedrückt, mit den Fingern betastet und endlich vielleicht sogar ein bisschen verschluckt.
Da ist so gar nichts für den Hunger,…nein, man kann es sehen, das ist wirklich nur für die schiere Lust!


Dazu scheint die Sonne aus blitzblauem Himmel, Papas sixpackiger, aber ruhig atmender Bauch sorgt für das wohlige Wasserbettfeeling, kein störender Waschlappen in Sicht und keiner, der Manieren einfordert.
Oscarwürdig ist dieses selig schmatzende Kind, finde ich als Oma jedenfalls.

Ich versinke: Murmelndes Hintergrundrauschen platschender Kinder im Pool, das Sch-Sch-Sch- Schleifen des Windes und das leise Plätschern der Wellen wärmen mich von innen, lassen meinen Blutdruck um etliche Einheiten fallen und versetzen mich fast in einen meditativen Zustand.

Wann jemals wieder im Leben kann man mit solcher Selbstvergessenheit tote Kalorien zu sich nehmen, ohne von ihnen zu wissen, ohne über kneifende Bündchen nachzudenken oder über den Geschmack oder Cholesteringehalt von Butterkeksen?.
Wie herrlich ist es, dass unser Kind noch nicht darüber nachdenkt, ob Plätzchen gesund sind oder ob man sie selber -vielleicht sogar besser- nachbacken könnte, sie sinnt nicht darüber nach, ob es das Mittagessen schon in 2 Stunden gibt, assoziiert nicht, was man zur nächsten Einladung von Freunden kochen könnte oder überlegt gar, ob der trommlbauchdicke Facharzt, den man kürzlich hier im Ort besuchen musste, so gar nicht über seine Vorbildfunktion gegenüber seinen Patienten und über gesundes Essen nachzudenken scheint.

Ja, ich gebe es zu:  Dieses losgelöste unkritische Schmecken und Genießen habe ich verloren. Je älter man wird, desto anstrengender wird das richtige, das heißt gesunde und auch leckere Essen. Überhaupt das Essen, das Kochen, das Verzehren, das Vertragen.

Meine Mutter muss wegen ihrer schweren Krankheit seit einigen Wochen -wenn möglich – völlig salzfrei leben und das ist wahrlich keine einfache Vorgabe. Käse, Wurst, Brot: No Go!
Die meisten Konserven und Fertiggebinde aus dem Lebensmittelhandel sind auch im großen Ganzen ausgeschlossen! Vom normalen Mineralwasser ganz zu schweigen.
Selbst der wirklich fabelhaft ausgestattete neue Bioladen in Wiehl muss bei salzfreier Kost passen.

Da diese verordnete Diät aber nun mal keine kurzfristige Mutprobe ist, oder eine ‘Challenge’ wie man heute so schön in Facebook-Zeiten sagt, sondern eine lebenslange Vorgabe, möchte ich nicht jeden Tag meine Mutter ihrem Schicksal mit salzlosen Pappkartoffeln und Wassergemüse überlassen, und so kaufe ich für meinen neuen, maßgeschneiderten Oma-Catering Service ins Seniorenheim jetzt mit ganz neuen Augen ein.
Und zwar buchstäblich, da ich keine Kaufentscheidung treffen kann, ohne die Lesebrille zu zücken, um das wirklich klein Gedruckte auf den Rückseiten zu lesen.
Die oft diskutierte Gesundheitsampel auf den Verpackungen wäre jetzt sehr nützlich, allerdings nur für die schnelle Vorauswahl, denn um sich endgültig entscheiden zu können, muß man leider auch ein bisschen von Prozentrechnung wissen und auch über den Tagesbedarf deutscher Erwachsener an diversen Ingredienzien informiert sein.

In diesem Zusammenhang läuft jetzt bei meinen täglichen ‘Butterfahrten’ manches etwas vernachlässigtes Gemüse zu ganz neuen Höhen auf. Hätten Sie es gewußt? Sellerieknollen und Porreestangen, gedörrt mit einer Zehe Knoblauch, einer Chilli-Schote und ein bisschen Zitronengras wird nach dem Zerkleinern in der Küchenmaschine zum streufähigen Salzersatz, das selbst bei kritischen Maggie-Liebhabern Gnade findet.

Tja, das Leben ist nicht nur Zuckerschlecken, und wenn man kein Salz in der Suppe hat, muß man eben Sellerie nehmen! Hauptsache genießen!!
Bis bald
KiWi

Sekundenglück: Lieder die mitten ins Herz treffen

Habe ich das schon mal erzählt? Ich liebe Herbert Grönemeyer!
Meine Liebe zu ihm begleitet mich fast länger als die zu meinem Angetrauten.
Dabei kann ich gar nicht sagen, dass ich ihn (ich meine Herrn Grönemeyer) nun besonders schön und attraktiv finde , – da ist mein Mann zumindest meiner Meinung nach deutlich besser aussehend, – nein, eigentlich ist er mir sogar ein bisschen zu kompakt. Aber die vertonten Gefühlsbeschreibungen, die dieser Mann nun schon seit so vielen Jahren wieder und wieder in einzigartige Worte kleidet, treffen mich fast immer mitten in mein Herz.
Nun bin ich eigentlich von Hause aus gar kein richtiger Musikfreak. Ich habe niemals Noten verstanden, bin über das dilettantische Mißhandeln einerMelodika nicht hinausgekommen und kann auch Klassiker nur nach ‘schön’ oder ‘nicht schön’ unterscheiden.

Wie nicht anders zu erwarten bei einer derart musisch ungebildeten Amateurin lassen sich die paar Mal, die ich in meinem Leben zu Musikkonzerten in Arenen oder Fussball-Stadien war, leicht an zwei Händen abzählen. Aber Konzerte von Herbert Grönemeyer habe ich schon viermal im Leben besucht, die Karten für das fünfte Mal hängen an der Tür meiner Speisekammer und machen schon seit Monaten Lust auf das nächste Jahr.

Um es noch mal zu sagen: Ich bin eine musikalische Null!  Allerdings singe ich wirklich gerne und es kommt mir bei meiner iTunes Liste vor allem auf die Texte der Lieder an. Ganz oft singe ich mit meinen Künstlern im buchstäblich unerhörten Duett – und  (wenn auch nur wohl ich allein) empfinde Befriedigung und Vergnügen dabei, Gedachtes und Gefühltes laut heraus zu singen.

Denn wann kann man schon in ungebremster Lautstärke alles von sich geben, was einen erfüllt? Ist es doch so, dass sich in einem normalen Gespräch, aber mit vollem Stimmeinsatz, das Gegenüber sofort zu einem Streit herausgefordert fühlt! So gebe ich mir weiter Mühe, bei Konversationen leise zu sein und trillere eben nur,  laut und ungeniert, bei der Hausarbeit oder in der Dusche, um dabei buchstäblich Luft ab zu lassen.

Texte aus Herberts Feder sind einfach wunderbar und unnachahmlich, auch wenn man sie oft erst -das muss ich zugeben- beim xten Hören oder auch Nachlesen im Internet – eindeutig versteht. Das hat nicht unbedingt mit seinem Nuscheln zu tun, sondern mit seiner sehr eigenen Betonung und kreativen Art, Worte zu vermählen, die in dieser Konstellation nicht täglich zu lesen oder hören sind.

Ganz viele Erlebnisse in meinem Leben sind eng mit einzelnen Zeilen von Herbert Grönemeyer verbunden. Wenn ich seine alten Lieder höre, erzeugen die Sequenzen zuverlässig ein Echo von Stimmungen, Bildern und Gefühlen aus meinem Leben, die auch nach Jahren noch nichts an Kraft verloren haben. Leider habe ich zwar meist keine Zeit für ein längeres Bad in alten Zeiten, registriere aber trotzdem beglückt diese Momentaufnahmen, die aufblitzen und intensiv nach dem Erlebten schmecken, auch wenn sie im Grundrauschen des Tages dann wieder verloren gehen.

Ich weiß, dass Herbert Grönemeyer mit seinen Liedern auch tausende anderer Frauen (und nebenbei auch Männer) glücklich macht, aber bei mir ist das natürlich ganz was Anderes. Sie könnes es mir ruhig glauben, er hat Vieles speziell für mich gedichtet, das weiß ich!
Ich weiß es, weil die Texte totsicher immer zu einem für mich genau passenden Zeitpunkt und Thema kamen und genau in mein Leben passten.

Das nimmermüde kraftvolle Kind an der Macht lebte zum Beispiel vor langer Zeit mit mir in einem Haushalt, die Armeen von Gummibärchen standen auch damals stets griffbereit in einem Bonbonglas in der Küche.
Seine Männer stärkten mich in den Zeiten meiner Trennung und gaben mir Hoffnung auf die Vielfalt dieser Spezies, und sein gesungenes ‘ich hab dich lieb’ beim Blick in das Gesicht meines Mannes bringen bis heute noch mein Herz zum Überlaufen.
Es waren weniger die Gesamtgeschichten der Lieder, sondern einzelne Wortschöpfungen, die auf neue Art Gefühle, die ich so gut kannte, beschrieben: Noch nie so gesagt, noch nie so gehört, trotzdem unfassbar klar und deutlich punktgenau.

Liebe kann eben kleben, Regenbogen kann man biegen, Flugzeuge können so schmerzhaft gegen Bauchwände stoßen. Seit ich dich kenne, trage ich Glück im Blick und frage mich, wieviel Sinne der Wahn hat. Auch weiß ich lang schon durch ihn, dass ich meinen Liebsten durch Plaudern mit Leben betanken kann. Ist das nicht herrlich?

Und jetzt endlich nach langer Pause ein neues Lied! Sekundenglück!
Glück im Überfluss in einem Bruchteil der Zeit. Wie ein Stromschlag, Glück mit 100.000 Volt, bis zum Rand gefüllt und gefühlt, so dass es überschwappt ins Langzeitgedächnis für gefühlstrockene Zeiten.
Wenn die Wimpern unserer 10 Monate alten Enkelin ganz kurz meine Wange küssen und sie mich anlächelt,  dass es fast weh tut,  wenn meine Mutter, die fast blind ist, strahlt über die Sonne auf den Feuerdahlien: Dann ist Sekundenglück.


Lieber Herbert Grönemeyer …Und wenn Du nichts für mich tust-Dann tust Du es gut!
Danke  Gruß KiWi

Es wird Herbst – Brauchen Sie nicht noch einen neuen Mantel??

Letzte Woche habe ich zwei große Postkartons voll mit gut erhaltenen Markenklamotten zu einem Secondhändler geschickt.

Das ist ein wunderbar bequemes Entsorgungssystem: Man entscheidet am Bildschirm ganz grob, ob Hemdlein, Höslein oder T-Shirt auf die Reise gehen sollen, benennt kurz das Label und bekommt sofort einen kleinen Betrag angezeigt, für den das gute Stück vom Händler (selbstverständlich nach eingehender Prüfung) angekauft wird.
Natürlich ist es erschreckend, wenn der Erlös für ein Designerkleid, welches einstmals ein größeres Loch in den Modeetat riss, auf diese Weise gerade noch ausreicht, um dafür einen halbedlen Lippenstift im Drogeriemarkt zu kaufen, aber bei der Menge der aussortierten Habseligkeiten kommt zum guten Schluss doch einiges zusammen .

Zukleben, Etikett ausdrucken, fertig: Es ist eine echte Erleichterung, das Paket zur Post zu bringen und die Sachen aus dem Kopf zu schicken.

Mal ganz abgesehen vom Salär, der am Ende dabei herauskommt, ist es für mich eben nie befriedigend, mit meinem Wäschekorb den Kleidercontainer anzusteuern. So traurig ist es , sich vorzustellen, dass  mein guter alter Mantel am Ende nur zu einem ollen Putzlumpen für Autopolierer mutiert.
Oder steht hinter dem Textilentsorgungsystem am Ende doch irgendein verlogener Haderlump, der demnächst meinen guten Mantel für ebenso gutes Geld auf dem nächsten Flohmarkt verkauft?

Da stecke ich meinen (bald nicht mehr) Besitz doch lieber in dieses Paket und stelle mir vor, dass eine Fashionista wie ich demnächst im Internet ihr/mein Traumstück für kleines Geld erwerben kann. Und es wirklich zu schätzen weiß!

Ich spüre übrigens sofort mit Erleichterung, daß sich die doppelt behängten Bügel auf meiner voll geprofften Kleiderstange schon wieder ein bisschen leichter hin und her schieben lassen.
Vielleicht sollte ich es wirklich lassen, mit diesem gerade erworbenen Gefühl der textilen Erleichterung sofort auf neue Beutesuche zu gehen?
Auf dem Tisch liegen schon seit 2 Wochen diverse Modezeitschriften und Kataloge mit den neuesten Wintertrends und machen Lust darauf, die Seele textil zu wärmen.

Warum hat man eigentlich nie genug? Es liest sich doch so romantisch, dass man Ballast jedweder Art abwerfen und damit leichter durchs Leben gehen soll.
Zwei Pullover im Wechsel würden in jedem Fall reichen: Einer vielleicht noch für Notfälle,…. Vielleicht noch ein Festgewand für große Geburtstage, ein Outfit für die Gartenparty, ein schwarzer Mantel für Beerdigungen…. Ruckzuck ist der Schrank wieder voll!

Ich liebe eben Klamotten nicht nur, weil sie bedecken und warmhalten, sondern auch weil sie Spaß machen, schön sind und vielleicht sogar schön machen. (Wie sagt der Fachmann? Vorteilhaft!!)

Natürlich liegt Schönheit immer im Auge des Betrachters, aber bestimmte Schnitte, Materialien und vor allem Muster erwecken in mir den unwiderstehlichen Drang des ‘Besitzen-wollens’.

Als farbaffine Designerin sammele ich zum Beispiel kunstvoll handgestrickte Pullover aus Peru in zauberhaften Farbnuancen aus Pflanzenfarben, die ich zum Teil auf ausländischen Plattformen secondhand ‘günstig’ ersteigere und trotzdem sogar schon verzollen musste.
Niemals vergesse ich die Blicke der Beamten im benachbart-ländlichen Zollamt (nebenbei bemerkt eingerichtet mit dem Charme der Nachkriegsjahre), als ich bei angeordneter ‘Augenscheinnahme des Inhalts’ ein solches Strickleibchen aus der improvisierten Schutzverpackung herausschälte, welches sehr wohl mit einer leichten Geruchsaura von der lange Seereise zeugte.
Wahrscheinlich wurden die Beamten angesichts der gezogenen Farbwechselfäden auf der linken Seite an ihre von lieben Omas gestrickte ‘Wollhöschen für den Sandkasten’ erinnert – und sehr wahrscheinlich werden sie sich auch gefragt haben, welche Verrückte in dieser modernen Welt von Kick und Klicks noch bereit ist, für so ein Machwerk Zoll zu zahlen.

Komisch – auf manche Modelle und Farben steuere ich immer wieder zu wie die Motte aufs Licht – auch wenn ich schon mindestens vier Pullover mit rostroten Schattierungen besitze, muss ich einfach auch noch den fünften (und sechsten) erwerben.
Das hat den Vorteil, dass mein Mann manchmal gar nicht merkt, dass ich schon wieder etwas Neues besitze…. Wir haben allerdings einen gemeinsamen Ebayaccount, der ihm stets, wenn er die Seite aufruft, stolz verkündet, was seine Ehefrau wieder ersteigert hat. Eigentlich ist es ihm egal, hauptsache ich freu mich drüber, verstehen kann er meinen Hang zu ‘mehr als genug Klamotten’ allerdings nicht .
Nebenbei bemerkt: Er hat mehrere Schranknestchen voll mit diversem Werkzeug, das wir m.E. auch nicht unbedingt brauchen.

Mindestens 6 Schraubenzieher! Da sind wir wieder quitt!
Halten Sie sich warm – der Herbst kommt!
Gruß KiWi

Colour me: Mit Farbe ist das Leben bunter.

Mit Farbe ist das Leben bunter.  Dieser Satz, der Ihnen vielleicht profan vorkommt, trifft auf mich 150 % zu.
Gerade heute Morgen hat mich meine Hose, die mit vielen bunten Schmetterlingen geradezu übersät ist, wirklich positiv auf den Tag eingestimmt, obwohl ich im Moment mit eher unbunten Gedanken lebe.

Meine Entscheidung in Sachen Kleiderwahl habe ich daher sehr bewußt getroffen – andere nehmen Globuli, damit es ihnen besser geht.
Denn meine Mutter, die seit ein paar Monaten im Seniorenheim lebt, ist mit fast 88 immer wieder gebeutelt von Krankheiten und Alt(ers)lasten und meine Fantasie über das, was kommen könnte oder auch kommen wird, hat Ausschläge in jede Richtung der Farbskala.

Nachts sind alle Katzen grau! Dieser Satz hat viel Wahres in sich, denn die Gedanken, die zwischen Ruhen und Traum komischerweise sofort bewußt parat sind, obwohl mein Körper noch zu schlafen scheint, sind bei mir oft farblos, bedrückend und beklemmend. Geht Ihnen das auch so? Bei mir liegen riesige Unterschiede zwischen dem, was ich zu einem bestimmten Thema nachts denke oder morgens beim wach werden. Das Gedachte ist vielleicht gleich, aber die Farbstimmung dazu ist einfach anders.

Warum das so ist, weiß ich nicht – wahrscheinlich braucht man Licht um Leuchtendes zu erkennen? Aber dann müßten Blinde ja nicht positiv denken können, und das ist ganz sicher nicht der Fall … dazu erscheint doch jedem Menschen eine warme rosarote Aureole vor Augen, wenn man sich das Gesicht seines Liebsten beim Küssen vorstellt, oder nicht?
Vielleicht ist es eben nur sehr subjektiv, welche farbigen Assoziationen mit Gefühlen verbunden sind. Und bei mir überwiegt -zurück zum Ausgang der Überlegungen – beim Aufwachen die Zuversicht zu wissen, dass die Dunkelheit vorbei ist und ein heller Tag vor mir liegt.

Sehr persönlich: Meine Grundstimmungen werden jedenfalls von Farbigkeiten stark beeinflusst!
Erinnern Sie sich an die Beratungsszene in Herrn Loriots Film Ödipussy, in der er mit einem großen Stoffmusterbuch auf dem Schoß dem älteren Ehepaar die Wirkung von Farbigkeiten bei Sitzmöbeln erklärt? (Ich zitiere: “Violett ist nicht ungefährlich.” “Warum?” “Frauen bringen sich in violetten Sitzgruppen um. Alleinstehende Frauen.” “In Turin hat sich ein Fußballer auf seinem Sofa erschossen. Aber das war gelb.” )
Vielleicht verführt ein graues Sofa zum Mord? Auch wenn es da so lustig klingt, würde auch ich wahrscheinlich in einer dauerhaft grauen Wohnung (keine Angst, ein graues Sofa reicht noch nicht) einen Mitmenschen abmurksen. Eine interessante Verwandtschaft sehe ich da übrigens auch zwischen ‘grau’ und ‘grauenhaft’.

Damit meine Freundin K. jetzt nicht empört in Ohnmacht fällt, habe ich zu diesem Satz noch folgende Ergänzung: Ich weiß es durchaus zu schätzen, wenn eine tolle Dame mit leuchtend grauen Haaren den Raum betritt. Noch besser gefällt es mir aber, wenn Sie zum Beispiel ein magentafarbenes oder knallblaues Tuch dazu trägt.

Wussten Sie eigentlich, dass alle Farben in Tuben oder Farbkästen zusammen gemischt totensicher ein recht schmutziges Braun ergeben? Erinnern Sie sich doch mal an ihre Schulzeit, als die weißen emaillierten Deckel der Farbkästen stets vollgeschmiert waren mit schmutzigen Unfarben. Da war eben alles zusammengemengt, aus Entscheidungsangst für eine Farbe (…und natürlich auch aus Faulheit, es sauber zu machen!)
Denn ein klares Bekenntnis zu einer starken Farbe erfordert Mut –
Giftgrüne Kleider oder schockorange Haartönungen z.B. sind Statements und gefallen lang nicht jedem, wo wir alle am liebsten doch allen nur gefallen möchten.
“…ist mal was anderes” oder “du traust dich wirklich was” sind dann die Antworten höflicher Menschen, die man nach ihrer Meinung zur gewählten Farbigkeit befragt.
Beim näheren Betrachten fällt dann auf, dass sich besagte Zeitgenossen oft gerne mal bei ihrer Kleidung für den Mittelweg in Sachen Farbe entschieden haben. Ein bisschen von Allem, ein bisschen für Jeden, bisschen Rot, ein bisschen Blau, ein bisschen Gelb, ein bisschen Grün …schon hat man einen allgefälligen Mischmasch, .. das ist ganz nett!
Aber eben nicht grandios, umwerfend, atemberaubend oder auch schrecklich!! Sondern ganz nett.

Falls es Sie interessiert: Meine persönliche Meinung ist ja, dass die Erfolgsgeschichte von Bahamabeige in Badezimmer- und Kücheneinrichtungen genau diesem fehlenden Mut zur Farbentscheidung geschuldet war. Jetzt ist ‘Bahama-Beige’ gottlob abgelöst von Taupe, auch so einer Unfarbe.

Wer sich jetzt über meinen Text schwarz geärgert hat, kann sich freuen, denn für heute bin ich fertig und male weiter an meinem Bild von der Welt.
….mit starken Farben! Herzlich

KiWi

 

DIY, Duftwasser und Wunder : Nur gute Ideen helfen gegen Langeweile !

Ein Wort, welches nach meiner persönlichen Wahrnehmung langsam aber sicher in seiner wahren Bedeutung in Vergessenheit gerät, ist das Wörtchen Langeweile. Ob das mit Vorboten des Herrn Alzheimer zu tun hat, kann ich nicht sagen …eine lange, lange Weile schon habe ich dieses Gefühl jedenfalls nicht mehr verspürt.

Wenn ich heutzutage mal nichts tue, was selten genug passiert, genieße ich jede Sekunde davon, oder ich spüre das Gegenteil, das nämlich mein Kopf zunehmend anstrengend in langen Gedankenspiralen, zumeist ‘to-do–listenartig’ meine kommenden Aktivitäten und Plände durchspult.

Langeweile dagegen habe ich als Kind ganz anders, nämlich lähmend und düster wahrgenommen. Wenn man sich in diesem Zustand befand, war man regelrecht empört, konnte es kaum aushalten und schrie anklagend nach Abhilfe, wie es sicher jede Mutter, die schon mal von ihrem Sprössling  “ mir ist aber sooooooo langweilig“ hörte, bestätigen kann. Irgendwann kam die Erkenntnis, dass bei solchem Frust kein anderer als man selbst Abhilfe schaffen kann.

Jetzt, wo hier in NRW die Schulferien langsam zu Ende gehen, kam mir mal wieder in den Sinn, dass früher die freien Sommer auf der einen Seite voll waren mit Schwimmbad-Action, Familiennordseeferien und Abenteuer, sich aber immer mal zwischendurch auch Zeiten gähnender Langeweile wie schwarze Zeitlöcher auftaten.
Dann nämlich, wenn z.B. die Sonne uns im Stich ließ, die besten Freunde an der See waren oder überhaupt der ganze Tag ohne Pläne unendlich zu viele Stunden hatte, um noch spannend zu sein.

Man hatte in solchen Momenten keine andere Chance, als sich mit Boardmitteln selber aus dem Sumpf zu ziehen, sprich man musste sich etwas einfallen lassen und zum kreativen Entertainer oder Erfinder seiner Selbst werden.
Mit dieser Erkenntnis und einer passenden Idee war überrraschend plötzlich ganz viel zu zun: Visionen entwickeln, mit Feuereifer Material für Erfindungen zusammensammeln nach dem Motto “Ich brauch jetzt den Uhukleber und zwar sofort!“ . Ebenso wichtig war es, Mitgelangweilte zu motivieren, Freiwillige als Kompagnon, willfährige Hilfssklaven oder gleichberechtigte Erfinder zu werben.  (Nebenbei bemerkt: Kommunikation war schon damals unentbehrlich, denn ohne wortreiche Überzeugungsbotschaften gab es eben keine begeisterten Mitmacher.)

Auch wenn es heute kaum ein Kind glauben mag : Es gab wirklich kein ständig sendebereites Fernsehen. Die Augsburger Puppenkiste kam -wenn ich mich richtig erinnere- nur zweimal in der Woche je 25 Minuten,…. danach war da nichts mehr interessantes. Computerspiele und WhatsApp Gruppen waren sowieso jenseits jedes denkbaren Horizonts.

In der Rückschau hatte diese öde Medienlandschaft etwas für sich.
Eine nach langem Frust geborene Idee war noch ein echtes Highlight und konnte zumindest mich mit soviel überschwappenden Optimismus füllen, dass ich mich schlagartig fähig fühlte, Berge zu versetzen und mein Leben künftig nur noch in den Dienst einer neuerfundenen, wunderbaren weltverbessernden Sache zu stellen.

Ich erinnere mich so ganz entfernt an einen wunderschönen Frühsommertag, ich war noch neues Schulkind in den ersten Ferien und mein Freund A. war zu Besuch. Wir spielten im Garten in einem -nach einem kräftigen Sommerregen- herabgerieselten Meer von sahnigweißen Rosenblättern der Sorte New Dawn. (Man schaue hierzu bei Gärtner Pötschke nach: Diese Sorte gibt es heute noch als üppig blühende Heckenrose. Wir hatten sie damals in meterlangen Massen am Gartenzaun und wussten sie doch gar nicht richtig zu schätzen.).
Zurück zu uns zwei Kindergartenkindern: Inmitten von Rasen, Rosen und Vorgartensteinchen traf uns eine wunderbare Idee wie der Blitz: Wir werden Parfümeure! (Das Wort kannte ich übrigens damals noch gar nicht)

Grundmaterial war im Überfluss vorhanden: Duftende Blätter und noch durchaus lebensfähige Blüten an der Hecke. Dazu Wasser aus dem alten rostigen Gartenkran.
Auch Kunden würde es ohne jeden Zweifel genügend geben: Standen doch Literflaschen voll 4711 Kölnisch Wasser an jedem Gästewaschbecken, deren Inhalt auch Männer ohne viel Haare nach jedem Händewaschen großzügig auf Glatze, Hände und Nacken rieben. Zur Erfrischung! Wie würden sich diese Duftamateure wohl erst auf unserer Rosenparfüm stürzen?

Mit Feuereifer sammelten wir also, pflückten und rupften Rosen mit Stumpf, Stiel und Dornen, (letzteres durchaus zum späteren Entsetzen meiner Mutter) , stampften die Biomasse in unseren Eimerchen, schütteten oder tröpfelten Wasser dazu, schnüffelten und siebten, dass jeder Erlebnispädagoge seine wahre Freude gehabt hätte. Stunden- , vielleicht auch tagelang, das weiß ich gar nicht mehr.

Und woran letztendlich unser großes Projekt gescheitert ist, habe ich auch vergessen.
Unvergesslich ist mir aber dieses Gefühl im sonnigen Garten, die Welt und das Leben, nicht zu vergessen meine Familie, mit einer tollen Idee bereichern zu können.

Von meinem Freund A habe ich nach der Grundschulzeit nie wieder etwas gehört.
Vielleicht ist ihm in der Pubertät eine Riesennase gewachsen und er verdient heute sein Geld in einem der legendären Duftlaboratorien in Paris? Vielleicht recherchierte ich das einmal in einer langweiligen Stunde.
Grüße an den Rosenberg
KiWi

DIY Handytasche – Ich bin zu jedem Kleid passend telefonisch erreichbar!

Wissen Sie noch, was ein Brustbeutel ist? Ein solches Täschlein, meist aus speckigem Leder und mit einem Druckknopf verschließbar, war der Geheimtipp meiner Mutter für jede Reise. “Tu dein Geld und deinen Pass hinein…”, sagte sie mir immer zum Abschied und sie selber verstaute den Brustbeutel mit ihren wertvollsten (kleinen) Dingen bei Reisen ins Ausland vorsorglich auch noch unter dem Gummi des Miederhöschens. “Da kann dir doch keiner was klauen !”
Zugegeben: Der gute alte 50er-Jahre-Beutel war praktisch, aber totenhäßlich und keine Frau schenkte ihm ernsthat einen 2ten Blick.
Scheinbar nur bei mir hat er tiefen Eindruck hinterlassen und irgendwann eine späte Wiedergutmachung erfahren. Denn seit Jahren ist er als selbstbewusstes Accessoire für mich wirklich unentbehrlich.
Ganz nebenbei… Haben sie mich eigentlich schon mal angerufen? Ich bin so gut wie jederzeit erreichbar. Denn ich habe immer (!) mein Handy in einem Beutel um den Hals, daran können Sie mich erkennen. Und zwar in einem DIY Brustbeutel!


Als bekennender Hörbuch- und Telefon-Junkie hatte ich nämlich sehr in den ersten Jahren des mobilen Telefonierens gelitten (…nie war das Handy da, wo ich es brauchte) und litt ebenso zu Zeiten der ersten, durchaus genial erdachten Ipods daran, dass Herr Steve Jobs bei seiner puristischen Erfindung nicht an multitaskende Frauen wie mich gedacht hatte.
Wer kann es sich denn schon leisten, so wie die Werbe-Ikonen selbstversunken mit einem putzigen kleinen Gerät in der Hand in den Tag zu tanzen?
Nicht nur ich, sicher auch andere Frauen wollten durchaus etwas hören, aber dabei gleichzeitig vielleicht sogar die Fenster putzen oder Gartenarbeit erledigen. Wohin also dabei mit dem Ding? Kein Haken, kein Aufhänger, kein Bändel dran!

Wie ungerecht : Männer haben Jackett- und Hosentaschen und da passt fast alles rein. Aber Frauen haben im Gegensatz dazu gerne mal den ganzen Tag hautenge seidige Tops an, vielleicht sogar mit den passenden Leggings… wohin mit dem Telefon oder Player beim Schminken oder Spargelschälen? Übrigens ist es meine Überzeugung, daß sich die Erfinder bei Apple auch in den Folgezeiten niemals wirklich mit ihren Ehefrauen über ihre Arbeit unterhielten, denn sie brachten zwar in den nächsten Jahren viele Nachfolgemodelle sowie stylische bunte Gummihüllen auf den Markt, die mit ihrer Farbe auch bei weiblichen Fans durchaus modische Begehrlichkeiten weckten, doch diese waren ebenso wenig wie Generation one zum Hängen oder Baumeln geeignet, auch wenn sie noch so praktisch abwaschbar daher kamen.

So ließ ich mir zwar keinen Apfel im Garten auf den Kopf fallen, aber ich hatte irgendwann -aus dieser Not geboren – meine ‘Brustbeutel-Idee’ -, was zumindest für mein persönliches Leben einen ähnlich bahnbrechenden Textiltrend bedeutete wie die Erfindung der BlueJeans durch Herrn Levis.

Ich nähte aus einem wunderbaren Stoffrest einen ebenso wunderschönen Brustbeutel.

Glauben Sie mir:  Selbst für die unbegabtesten Näherinnen ist es absolut kein Hexenwerk, eine rechteckige Tasche zu fertigen und sie an schönen Kordeln aus alten Anoraks um den Hals zu hängen. Sind keine farblich passenden Bänder oder Stricke zur Hand, drehen Sie sich doch mal selber den Strick. (…wie damals im Handarbeitsunterricht,  erinnern Sie sich nicht mehr?:  Einer hält den oder die Fäden, einer dreht und dreht und dreht und dreht, dann legt man den Finger in die Mitte der gedrehten Schnur, lässt los, so daß sie sich die beiden Enden umeinander zwirbeln und ruckzuck – schon hat man auf auf wundersame Weise eine dekorative Kordel. Ich meine mich zu erinnern, in der 6ten Klasse bei Frau N. am Mädchenlyzeum Gummersbach, heute Gymnasium, damit ganze Wandbehänge umkordelt zu haben.)


Mittlerweile habe ich meine Brustbeutel- Idee zur Perfektion gebracht:
Ich besitze eine ganze Kiste voll, passend zu jedem Outfit! Ich habe sie bestickt und mit Perlen versehen, habe appliziert und bedruckt, nutze jedes kleine Restlein für Farbkompositionen der besonderen Art und besitze Beutel im destroyed Look aus den alten Jeans meines Mannes.
Ihnen gefallen Brustbeutel immer noch nicht? Egal!
Sie werden mich in jedem Fall beneiden, wenn Sie demnächst mal wieder ihr Telefon in den Tiefen Ihrer Handtasche nicht finden können.
Wir hören uns Gruß
Kiwi

Man reiche mir den Fächer…

…wenn Sie denn einen haben, denn dieses praktische Werkzeug ist irgendwie mit Erfindung der Jeans aus der Mode gekommen. Obwohl löchrige Knie m.E. nach deutlich weniger kühlende Wirkung haben.
Heutzutage haben eigentlich nur noch wenige (klimakterischerische?) Damen in meinem Bekanntenkreis ein so praktisches, dekoratives und vor allem einfach zu bedienendes Accessoire aus den Tiefen ihrer unergründlichen Handtaschen zur Hand.
Und wenn diese weit voraussehenden und vor allem wohl organisierten Ladies z.B. mitten während eines abendlichen Vortrages in der Bruthitze des Raumes unnachahmlich elegant ihren Fächer entblättern, fühlt man bohrenden Neid, nicht selber auf diesen grandiosen Gedanken gekommen zu sein.
Denn ich habe selbst 3 Stück ‚Fächer‘ , die immer da sind, wo ich sie nicht brauche, aber nie dort, wo sie zur Kühlung und Erhaltung des sorgfältig aufgetragenen Make-Ups dringlich von Nöten wären.
Sie sind sogar durchaus auch dekorativ, selbst das hässlichste Chinamuster
hat bei mehr als 38 Grad was für sich und eigentlich sollte nichts dagegen sprechen, in jeder Farbe passend zum Kleid oder Leibchen mindestens einen Fächer zu besitzen.

Denn wie ich gestern in den Internetnachrichten las, sind seit Wochen Ventilatoren in Deutschland komplett ausverkauft. Moderne und finanziell unabhängige Menschen, die sich erst in höchster Not dieses unglaublichen Sommers für den Einbau einer Klimaanlage entscheiden, bestraft das Leben sowieso mit einer Wartezeit von mindestens einem halben Jahr.

Warum nicht wieder auf den Fächer setzen und selbsttätig für die Gesichtskühlung sorgen?
Natürlich wäre es ganz wunderbar wenn man dazu auch gleich im Internet die willigen Diener bestellen könnte, die die Wedelarbeit für einen erledigen, aber da diese in modernen Zeiten kaum zu bekommen sind und sich auch Ehemänner garantiert dem kleinen Luxuswunsch ihrer Gattinnen widersetzen werden, sollte man den Fächervorgang als Teil eines leichten, aber dauerhaften und damit effektiven Arm-Workouts betrachten …Doppelnutzen sagt man in der Werbung dazu.

Die Fächerfläche selbst lädt kreative Geister zu jeder Art von Abbildung oder Selbverwirklichung förmlich ein. Ich grüble in diesen Tagen verstärkt darüber, mir selber einen Fächer zu basteln, zum Beispiel mit Hilfe von metallisch schillernden Folien, bunten Drucken, Fotos und Zeichnungen (die kann man ja in Laminiermaschinen einblistern oder verstärken).

Dazu markige Sprüchen oder modernen Statements wie bei
Moschino auf den T-Shirts oder so.

Ich habe jetzt nachgelesen, dass man früher sogar mit Hilfe einer speziellen Fächersprache kommunizierte und bei gesellschaftlichen Zusammenkünften nonverbale ‘streng geheime (!)’ Botschaften austauschte. Laut Wikipedia gab es dazu regelrechte Wörterbücher, was eigentlich bei geheimen Botschaften ein Widerspruch in sich ist.
Aber damals damals gab es natürlich noch keine ausgefuchsten Beratungsexperten für geheime Angelegenheiten wie Herr Trump sie nutzt.
Es bleibt wie es ist: Große Hitze bringt den Geist auf Betriebstemperatur und macht empfänglich für Lösungsstrategien.
War Ihnen in den letzten Tagen manchmal das schiere Plaudern schon zu viel?
Wunderbar wäre es also, wenn auf Ihrem Fächer stände ‘Mir ist warm, schenk mir nach!’ Dann brauchte es man es nicht den ganzen Abend zu wiederholen oder vielleicht auch ‘Geh mir endlich aus der Sonne?’

Entfächern Sie mal Ihre Möglichkeiten – bis bald
KiWi

Wetter-Nachtrag:

Heute Nacht hat es nach gefühlten 4 heißen trockenen Wüstenmonaten zum ersten Mal wieder ein bisschen getröpfelt. Nach einer schier unerträglichen Nacht auf hartem Bett im Keller (Entscheidung zwischen dem Teufel und dem Belzebub, d.h. dem Wasserbett unter dem Backofendach oder der harten Gästematraze im Keller = eins zu null für den Keller) hörte ich gegen 5 Uhr zauberhaft leichte Wassermusik auf dem Fenster und fiel schlagartig in ein erlösendes Koma.
Hätte mein Mann sich nicht erbarmt und die Fenster oben zugezogen, hätte es womöglich rein geregnet! Hätte es doch …
Regen! Kühl, nass, göttlich. Ich sehe mich vor meinem geistigen Auge wie eine faszinierend schöne tropfende Schaumgeborene einem erfrischenden Meer entsteigen.

Mit dem ersten Kaffee in der Hand und noch ohne Nachtgewand googele ich dann vor offener Tür als erstes mal, ob es im weltweiten Netz oder im noch völlig unbekannten Terrain des chinesischen Internethandels geheime abkühlende Erfindungen für tropische Nächte gibt, die ich jetzt schon mal einlagern könnte für die prognostizierten kommenden Heißzeiten.
Siehe da: es gibt die verschiedensten selbstkühlenden Matten für Hunde (die scheinbar nicht schwitzen können) in hundegerechten Formaten, ca. 50 × 90 cm bedruckt mit lustigen Knochen oder anderen Bildchen, die Hunde so mögen.
Da kann ich nur sagen, 3- 2- 1- Meins!

Wo ich diese Matte platzieren werde, weiß ich noch nicht, vielleicht verbringe ich demnächst auch meine Abende auf dem Fußboden (Sitz, Susanne!), selbst wenn’s so billig nach Plastik riechen sollte wie im 1 Euro-Store.

2. Wetter Nachtrag:

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie irreführend der Begriff der ‚dunklen Jahreszeit’ eigentlich ist?
Meine wunderbare Kundin K. hat bemerkenswerterweise den Widerspruch erkannt und durchdacht:
Selbst im Dezember steht ihr mehr natürliches Licht in ihrem Büro zur Verfügung als jetzt im August – schon seit Wochen ist Arbeiten ohne Kunstlicht nicht mehr möglich.
Feierabend? Im Hause muss man sich am eigentlich hellen Nachmittag völlig im Dunkeln an die Lichtschalter herantasten, da alle Jalousien geschlossen sind. Und in den Garten geht sie eigentlich nur noch vor Sonnenaufgang oder wenn der Mond aufgeht.
Sollten wir also die Vigantoletten für die guten Knochen vielleicht ganzjährig schlucken?

Ich werde mal drüber googeln!
In diesem Sinne Happy Hot day!

Wo ist meine legendäre Power hin und wie fühlt sich ein eigentlich ein umgestülpter Pudding?

 

Seit dem Beginn der diesjährigen Hundstage denke ich mindestens einmal am Tag über diese beiden Fragen nach.
Niemals wurde in meinem Bekanntenkreis mehr über das Wetter geredet. Niemals gab es so große Einigkeit darüber. Selbst die hart gesottensten Sonnenanbeter kommen langsam an ihre Grenzen, und sogar meine liebste Freundin C. , die normalerweise ganze Sommer lang am liebsten uneingeölt vor sich hin brät, macht im Augenblick um Balkon und Liegestuhl einen großen Bogen.
in Griechenland ist das normal. Wie haben wir sie beneidet, die Menschen, die immer Sommer haben, wie haben wir Sie abschätzig belächelt, weil sie Mittags die Geschäfte schließen und sich dem aktivistischen Touristikrummel mit stoischer Miene widersetzen.
Wie haben wir für unsere raren Ferientage schon als Frühbucher die Sonnengarantie gebucht!
Aufgepasst: Sonnengarantie können wir jetzt scheinbar auch zusichern!
Machen Sie doch mal Ferien im Oberbergischen.

Wo wir zu Hause sind, waren früher Sommer schon dann erinnerungswert, wenn es weniger als einmal die Woche regnete. Strickjacken und Regenmäntelchen blockierten stets zu viele Bügel ian der Garderobe und auch Regenhüte brauchte man mindestens 3, auch für die Monate ohne R.

Jetzt weiß ich allerdings gar nicht mehr, wie sich feste Schuhe anfühlen.
Hoffentlich haben die bequemen Birkenstockschlappen meine Füße nicht so geweitet, dass ich im Herbst nicht mehr in die fast noch neuen schwarzen Lackstiefel passe.
Haare offen? Seit Wochen nicht mehr! Man geht ja schließlich auch nicht mit einem dicken Schal in die Sauna. Und sich allein einen Friseurbesuch mit Fönen vorzustellen, lässt die kleinen Häarchen im Nacken sich feucht kräuseln.
Dafür liegt ein alter nasser Waschlappen (ich meine nicht meinen Mann) nachts griffbereit an meiner rechten Seite und ich beobachte täglich, daß sich die feinen Riemchen meiner offenen Schuhe gegen Abend weich und gemütlich in die Tiefen meiner geschwollenen Knöchel betten. Auch mein ausgeprägter Spaß an kombinierter Zwiebelmode verliert sich zunehmend mehr in den stets klammen, ewig gleichen luftigleichten Flattersackkleidchen.

(Ärmellos? Wollte ich eigentlich in meinem Alter nie mehr tragen! Aber selbst echt durchdachte Prinzipien verpuffen gerade in feuchten Wolken.)

Das einzige, was nicht schmelzen will, ist mein Bauch, denn die Kalorien, die man einspart (…ich hab bei dem Wetter einfach überhaupt keinen Hunger) packt man eben mit kalten Saftschorlen, gekühltem Chardonnay, Milchmixkompositionen oder raffinierten Obstsalaten doppelt oben drauf.
Am Ende meines zunehmend uneffektiven Arbeitstages (…der wie der einer Kellerassel tief unten in der Kühle stattfindet ) falle ich dann wie erwähnter umgestülpter Pudding in den Relaxsessel und klebe beim erschöpften Zurücklehnen an der Rückenlehne fest.

Ich bin doch eine Powerfrau!!… habe früher Abends gebastelt, gestrickt und gewerkelt, aber schon der Gedanke daran erschöpft mich. Ein Buch lesen? Höchstens einen kurzen bunten Artikel in der Illustrierten, dass ist nicht so anstrengend!
Kurz vor dem Einschlafen mäandere ich noch ein bisschen durch ein blaukaltes Himalayatal, frage mich, ob ich jemals im Leben wieder Socken anziehen werde und verspreche mir selbst, nie wieder über Regen zu jammern.
Wir hören uns darüber im September wieder
herzliche KiWi Grüße

Wo ist der verflixte Rhabarberkuchen…,

… draußen ist es so heiß und der Rhabarberkuchen von Christel D wäre jetzt der einzige Trost in dieser Prallhitze. Kennen Sie das Gefühl, dass die Zunge klebt und alle Sinne urplötzlich nach diesem und nur diesem einzigen Geschmack verlangen?
Und es einem auch gar nichts ausmachen würde dafür einen halben unglaublich heißen Sommertag vor dem Backofen zu verbringen?
Im Sommer früher gab es immer dieses Blech voll Rharbarberkuchen.
Immer! Mit angebräuntem, weichen Eischnee-Baiser obendrauf, der schon nach 2 Stunden süße Tröpfchen bildete und laut meiner Mutter am nächsten Tag schon nicht mehr essbar war, also in größeren Gebinden gegessen werden musste!
Also wo ist dieses notierte Rezept, dass die komplizierte Kombination aus einer Art von Quark-Öl-Teig, Rhabarber und Eischnee für alle Zeiten in Stein meißelte?
Das Jammern nutzt nichts, das legendäre Rezept von Christel D., welches meine Mutter neben vielen anderen unverwechselbaren Delikatessen von ihren Strickkränzchenschwestern, Freundinnen und und anderen vertrauten Menschen in einem kleinen fleddrigen Büchlein handschriftlich über gefühlte 70 Jahre notiert und gesammelt hatte, ist ebenso wie das gesamte Heft nirgends in ihrer Hinterlassenschaft aufzufinden.
Auch wenn diverse Menschen nach ihrem Umzug ins Seniorenheim in ihrer Dreizimmerwohnung mittlerweile stundenlang geräumt und sortiert haben, ist es doch kaum denkbar, dass irgend ein Familienmitglied (und andere Helfer waren doch nicht beteiligt) ein solches Unikat weggeschmissen hat. Oder doch?
Zugegeben, ich trage einige Pfunde zuviel auf den Rippen und bin eigentlich gar kein großer Kuchen-Fan , trotzdem packt mich plötzlich die Panik.
Rein theoretisch weiß ich, dass ich in der Fülle der Rhabarberkuchen-Rezepte aus der unendlichen Weite des Internets jederzeit schier ertrinken könnte.
Dazu bin ich ein begeisterter Leser von Rezepten in Zeitungen oder auch im Fernsehen, koche sie dann allerdings im Alltag niemals 1:1 nach, sondern lasse mich vorwiegend inspirieren und schmecke lesend im Geiste vor, um anschließend dann völlig losgelöst von Maßen, Mengen und Details übergangslos vor dem Herd in die freie Kür überzuwechseln. Freestylekoch sozusagen. Ich könnte mir eigentlich also die Ruhe reintuen und nach einer spannenden wie auch immer gearteten Rharbarberkuchenalternative suchen.
(Anmerkung am Rande: Donnerwetter: das ist aber jetzt mal ein wunderbares Wort für Scrabble, viele Punkte und Ehre garantiert!)


Aber jetzt im Moment bringt mich allein der Gedanke, dass dieses einzigartige Sammelwerk ‘written by Erika’ unwiederbringlich verschwunden sein soll, völlig aus der Fassung.
So suche ich weiter ‘modern’: In unseren Familienchats bei WhatsApp stelle ich alle mal als erstes unter Generalverdacht, beschreibe (…diktierend, denn so schnell schreibe ich nicht per Handy) wortreich den Wert dieses handgeschriebenen Artefakts meiner Mutter und bettele um weitreichende Suchaktionen in den ererbten Hinterlassenschaften.
(… vielleicht im Kochtopf oder so???)
Aber keiner hat es und es ist und bleibt einfach verschwunden.
Auch der anerkennende Kommentar meines Sohnes von seiner Arbeitsstelle (mein Gott Mama, was hast du morgens viele Worte) muntert mich nicht auf. War in diesem Rezeptbuch nicht auch die Anleitung für unser legendäres Berliner Brot zu Weihnachten notiert? Auch wenn ich gar kein Plätzchenesser bin, kann ich mir einfach kein Weihnachten ohne diese Kekse vorstellen.
Bitte denken Sie jetzt nicht, dass ich ein romantischer Weihnachtsbär bin, oder nur schrecklich verfressen, ich habe sogar Mama stets wortreich erklärt, dass ich zu Weihnachten keinen Plätzchenteller mehr von ihr brauche, aber ich weiß jetzt schon ganz genau: Ich brauche das Berliner Brot, wenn sie nicht mehr da ist. Ich brauche es einfach!

So werde ich also weiter auf die Suche gehen, auch wenn’s schon fast ein Cold Case ist. Und wenn einer von Ihnen zufällig irgendwo ein Sammelsurium von handgeschriebenen Rezepten in einem kleinen Büchlein beim Altpapier findet, dann sagen Sie mir kurz Bescheid. Es muss aber unbedingt der Rharbarberkuchen von Christel D. darin sein. Und das Berliner Brot. Sonst nutzt’s mir nix!

Herzliche KiWiGrüße