Ich freue mich! Schön dass Sie vorbeischauen…

…und meinen Blog lesen.
Früher schrieb man Tagebuch, heute schreibt man Blog und ob das wirklich Sinn macht, mögen Sie selbst entscheiden.
Für mich war schreiben immer schon ein wunderbarer Weg, meinen Kopf zu sortieren, ein wenig Ablage zu betreiben, und die Dinge und Erlebnisse um mich rum auf meine innere Waage zu legen.
Vor kurzem hörte ich einen beeindruckenden Vortrag über „das, was bleibt’’.
Dieses Thema beschäftigt mich im Augenblick sehr, da meine Mutter seit mehreren Wochen im Seniorenheim ist und wir Geschwister dabei sind, eine Wohnung zu räumen, die mit wohlsortierten Erinnerungen eines sehr erlebnisreichen Lebens bis oben hin angefüllt ist.

Wunderbare, sehr emotionale Briefe (ursprünglich auf Diktaphon diktiert) meines Vaters an uns Kinder damals  im Studium oder im Austauschjahr   (er mahnte, vermisste und motivierte uns schriftlich in einem herrlichen Aufwasch),  ärgerlich-selbstbewußte Protestbriefe von mir an diverse mich aufregende Zeitgenossen, bebilderte Gutscheine der kreativen Art zu Festtagen und Ereignissen… Meine Mutter füllte viele Mappen (und auch Erzählstunden) wie eine emotionale Pinnwand mit Stichworten zu Geschichten, die nicht zuletzt jetzt endlich auch Familienfremden erzählt sein wollen.
Vielleicht werde ich in Zukunft in meinem Kopfkino (das übrigens nicht täglich den Film wechselt) manche kleine persönliche Geschichte erzählen, für deren Wahrheitsgehalt ich allerdings keine Gewähr übernehmen kann.

Genau aber das ist es eben, was solche überlieferten Geschichten so besonders und persönlich macht: Sie haben einen wahren Kern mit viel phantasievollem Fruchtfleisch drum rum und sind stets nur genauso spannend, aufregend oder vor allem wichtig, wie der Erzähler sie verstanden hat. Historische Wahrheiten sind völlig egal, Hauptsache das Notierte ist des Lesens oder Hörens wert .

Der oben erwähnte Vortragende war übrigens in diesem Punkt mit mir einer Meinung.  Ob ein Bericht über Lebensarten, Begebenheiten oder Erinnerungen auf reinen Tatsachen beruht, interessiert eigentlich nur Historiker, normale Menschen werden angelockt durch menschliche Färbungen und schöne verschleiernde Patina, das beweisen die Verkaufszahlen der Yellow Press.
Selbst für die engste Familie gilt: Ob auf dem vergilbten Bild im Album Tante Pauline oder Tante Johanna zu sehen ist und ob sie mit Onkel Peter oder Johann verheiratet war, interessiert in der Nachschau mit großer Gewissheit keinen modernen Enkel mehr. Kannte er doch beide nicht.

Aber ob die Dame eine ähnlich markante Nase wie man selber hat, kann schon interessanter sein und ganz spannend wird es dann zu erfahren, ob besagte Tante in ihrer Ehe glücklich war, oder ob der Gatte Peter (oder wie auch immer er hieß) ihr in einem Ehegeplänkel am Ende völlig entnervt und den vielen Worten hilflos gegenüberstehend eine volle Kanne Kaffee über ihre wohl ondolierte Frisur schüttete und sie damit zum ersten Mal in langer Ehe vor Zeugen zum Schweigen brachte.
Man stelle sich hier kurz einen gestärkten steifen Spitzenkragen vor, aus dessen Hohlsaum warmer Kaffee trieft. Das ist doch ein Bild, das noch vor dem Einschlafen heute abend herrlich ausgeschmückt werden kann.
Gekonnt erzählt wird’s sogar zur Anekdote die – gut vorgetragen – der (!) Bringer auf jeder Cocktailparty werden kann.
In diesem Sinne lesen wir uns sicher demnächst wieder…

Schönen Tag noch und bis bald herzliche Grüße
Ihre KiWi

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