Wo ist meine legendäre Power hin und wie fühlt sich ein eigentlich ein umgestülpter Pudding?

 

Seit dem Beginn der diesjährigen Hundstage denke ich mindestens einmal am Tag über diese beiden Fragen nach.
Niemals wurde in meinem Bekanntenkreis mehr über das Wetter geredet. Niemals gab es so große Einigkeit darüber. Selbst die hart gesottensten Sonnenanbeter kommen langsam an ihre Grenzen, und sogar meine liebste Freundin C. , die normalerweise ganze Sommer lang am liebsten uneingeölt vor sich hin brät, macht im Augenblick um Balkon und Liegestuhl einen großen Bogen.
in Griechenland ist das normal. Wie haben wir sie beneidet, die Menschen, die immer Sommer haben, wie haben wir Sie abschätzig belächelt, weil sie Mittags die Geschäfte schließen und sich dem aktivistischen Touristikrummel mit stoischer Miene widersetzen.
Wie haben wir für unsere raren Ferientage schon als Frühbucher die Sonnengarantie gebucht!
Aufgepasst: Sonnengarantie können wir jetzt scheinbar auch zusichern!
Machen Sie doch mal Ferien im Oberbergischen.

Wo wir zu Hause sind, waren früher Sommer schon dann erinnerungswert, wenn es weniger als einmal die Woche regnete. Strickjacken und Regenmäntelchen blockierten stets zu viele Bügel ian der Garderobe und auch Regenhüte brauchte man mindestens 3, auch für die Monate ohne R.

Jetzt weiß ich allerdings gar nicht mehr, wie sich feste Schuhe anfühlen.
Hoffentlich haben die bequemen Birkenstockschlappen meine Füße nicht so geweitet, dass ich im Herbst nicht mehr in die fast noch neuen schwarzen Lackstiefel passe.
Haare offen? Seit Wochen nicht mehr! Man geht ja schließlich auch nicht mit einem dicken Schal in die Sauna. Und sich allein einen Friseurbesuch mit Fönen vorzustellen, lässt die kleinen Häarchen im Nacken sich feucht kräuseln.
Dafür liegt ein alter nasser Waschlappen (ich meine nicht meinen Mann) nachts griffbereit an meiner rechten Seite und ich beobachte täglich, daß sich die feinen Riemchen meiner offenen Schuhe gegen Abend weich und gemütlich in die Tiefen meiner geschwollenen Knöchel betten. Auch mein ausgeprägter Spaß an kombinierter Zwiebelmode verliert sich zunehmend mehr in den stets klammen, ewig gleichen luftigleichten Flattersackkleidchen.

(Ärmellos? Wollte ich eigentlich in meinem Alter nie mehr tragen! Aber selbst echt durchdachte Prinzipien verpuffen gerade in feuchten Wolken.)

Das einzige, was nicht schmelzen will, ist mein Bauch, denn die Kalorien, die man einspart (…ich hab bei dem Wetter einfach überhaupt keinen Hunger) packt man eben mit kalten Saftschorlen, gekühltem Chardonnay, Milchmixkompositionen oder raffinierten Obstsalaten doppelt oben drauf.
Am Ende meines zunehmend uneffektiven Arbeitstages (…der wie der einer Kellerassel tief unten in der Kühle stattfindet ) falle ich dann wie erwähnter umgestülpter Pudding in den Relaxsessel und klebe beim erschöpften Zurücklehnen an der Rückenlehne fest.

Ich bin doch eine Powerfrau!!… habe früher Abends gebastelt, gestrickt und gewerkelt, aber schon der Gedanke daran erschöpft mich. Ein Buch lesen? Höchstens einen kurzen bunten Artikel in der Illustrierten, dass ist nicht so anstrengend!
Kurz vor dem Einschlafen mäandere ich noch ein bisschen durch ein blaukaltes Himalayatal, frage mich, ob ich jemals im Leben wieder Socken anziehen werde und verspreche mir selbst, nie wieder über Regen zu jammern.
Wir hören uns darüber im September wieder
herzliche KiWi Grüße

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