Man reiche mir den Fächer…

…wenn Sie denn einen haben, denn dieses praktische Werkzeug ist irgendwie mit Erfindung der Jeans aus der Mode gekommen. Obwohl löchrige Knie m.E. nach deutlich weniger kühlende Wirkung haben.
Heutzutage haben eigentlich nur noch wenige (klimakterischerische?) Damen in meinem Bekanntenkreis ein so praktisches, dekoratives und vor allem einfach zu bedienendes Accessoire aus den Tiefen ihrer unergründlichen Handtaschen zur Hand.
Und wenn diese weit voraussehenden und vor allem wohl organisierten Ladies z.B. mitten während eines abendlichen Vortrages in der Bruthitze des Raumes unnachahmlich elegant ihren Fächer entblättern, fühlt man bohrenden Neid, nicht selber auf diesen grandiosen Gedanken gekommen zu sein.
Denn ich habe selbst 3 Stück ‚Fächer‘ , die immer da sind, wo ich sie nicht brauche, aber nie dort, wo sie zur Kühlung und Erhaltung des sorgfältig aufgetragenen Make-Ups dringlich von Nöten wären.
Sie sind sogar durchaus auch dekorativ, selbst das hässlichste Chinamuster
hat bei mehr als 38 Grad was für sich und eigentlich sollte nichts dagegen sprechen, in jeder Farbe passend zum Kleid oder Leibchen mindestens einen Fächer zu besitzen.

Denn wie ich gestern in den Internetnachrichten las, sind seit Wochen Ventilatoren in Deutschland komplett ausverkauft. Moderne und finanziell unabhängige Menschen, die sich erst in höchster Not dieses unglaublichen Sommers für den Einbau einer Klimaanlage entscheiden, bestraft das Leben sowieso mit einer Wartezeit von mindestens einem halben Jahr.

Warum nicht wieder auf den Fächer setzen und selbsttätig für die Gesichtskühlung sorgen?
Natürlich wäre es ganz wunderbar wenn man dazu auch gleich im Internet die willigen Diener bestellen könnte, die die Wedelarbeit für einen erledigen, aber da diese in modernen Zeiten kaum zu bekommen sind und sich auch Ehemänner garantiert dem kleinen Luxuswunsch ihrer Gattinnen widersetzen werden, sollte man den Fächervorgang als Teil eines leichten, aber dauerhaften und damit effektiven Arm-Workouts betrachten …Doppelnutzen sagt man in der Werbung dazu.

Die Fächerfläche selbst lädt kreative Geister zu jeder Art von Abbildung oder Selbverwirklichung förmlich ein. Ich grüble in diesen Tagen verstärkt darüber, mir selber einen Fächer zu basteln, zum Beispiel mit Hilfe von metallisch schillernden Folien, bunten Drucken, Fotos und Zeichnungen (die kann man ja in Laminiermaschinen einblistern oder verstärken).

Dazu markige Sprüchen oder modernen Statements wie bei
Moschino auf den T-Shirts oder so.

Ich habe jetzt nachgelesen, dass man früher sogar mit Hilfe einer speziellen Fächersprache kommunizierte und bei gesellschaftlichen Zusammenkünften nonverbale ‘streng geheime (!)’ Botschaften austauschte. Laut Wikipedia gab es dazu regelrechte Wörterbücher, was eigentlich bei geheimen Botschaften ein Widerspruch in sich ist.
Aber damals damals gab es natürlich noch keine ausgefuchsten Beratungsexperten für geheime Angelegenheiten wie Herr Trump sie nutzt.
Es bleibt wie es ist: Große Hitze bringt den Geist auf Betriebstemperatur und macht empfänglich für Lösungsstrategien.
War Ihnen in den letzten Tagen manchmal das schiere Plaudern schon zu viel?
Wunderbar wäre es also, wenn auf Ihrem Fächer stände ‘Mir ist warm, schenk mir nach!’ Dann brauchte es man es nicht den ganzen Abend zu wiederholen oder vielleicht auch ‘Geh mir endlich aus der Sonne?’

Entfächern Sie mal Ihre Möglichkeiten – bis bald
KiWi

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