DIY, Duftwasser und Wunder : Nur gute Ideen helfen gegen Langeweile !

Ein Wort, welches nach meiner persönlichen Wahrnehmung langsam aber sicher in seiner wahren Bedeutung in Vergessenheit gerät, ist das Wörtchen Langeweile. Ob das mit Vorboten des Herrn Alzheimer zu tun hat, kann ich nicht sagen …eine lange, lange Weile schon habe ich dieses Gefühl jedenfalls nicht mehr verspürt.

Wenn ich heutzutage mal nichts tue, was selten genug passiert, genieße ich jede Sekunde davon, oder ich spüre das Gegenteil, das nämlich mein Kopf zunehmend anstrengend in langen Gedankenspiralen, zumeist ‘to-do–listenartig’ meine kommenden Aktivitäten und Plände durchspult.

Langeweile dagegen habe ich als Kind ganz anders, nämlich lähmend und düster wahrgenommen. Wenn man sich in diesem Zustand befand, war man regelrecht empört, konnte es kaum aushalten und schrie anklagend nach Abhilfe, wie es sicher jede Mutter, die schon mal von ihrem Sprössling  “ mir ist aber sooooooo langweilig“ hörte, bestätigen kann. Irgendwann kam die Erkenntnis, dass bei solchem Frust kein anderer als man selbst Abhilfe schaffen kann.

Jetzt, wo hier in NRW die Schulferien langsam zu Ende gehen, kam mir mal wieder in den Sinn, dass früher die freien Sommer auf der einen Seite voll waren mit Schwimmbad-Action, Familiennordseeferien und Abenteuer, sich aber immer mal zwischendurch auch Zeiten gähnender Langeweile wie schwarze Zeitlöcher auftaten.
Dann nämlich, wenn z.B. die Sonne uns im Stich ließ, die besten Freunde an der See waren oder überhaupt der ganze Tag ohne Pläne unendlich zu viele Stunden hatte, um noch spannend zu sein.

Man hatte in solchen Momenten keine andere Chance, als sich mit Boardmitteln selber aus dem Sumpf zu ziehen, sprich man musste sich etwas einfallen lassen und zum kreativen Entertainer oder Erfinder seiner Selbst werden.
Mit dieser Erkenntnis und einer passenden Idee war überrraschend plötzlich ganz viel zu zun: Visionen entwickeln, mit Feuereifer Material für Erfindungen zusammensammeln nach dem Motto “Ich brauch jetzt den Uhukleber und zwar sofort!“ . Ebenso wichtig war es, Mitgelangweilte zu motivieren, Freiwillige als Kompagnon, willfährige Hilfssklaven oder gleichberechtigte Erfinder zu werben.  (Nebenbei bemerkt: Kommunikation war schon damals unentbehrlich, denn ohne wortreiche Überzeugungsbotschaften gab es eben keine begeisterten Mitmacher.)

Auch wenn es heute kaum ein Kind glauben mag : Es gab wirklich kein ständig sendebereites Fernsehen. Die Augsburger Puppenkiste kam -wenn ich mich richtig erinnere- nur zweimal in der Woche je 25 Minuten,…. danach war da nichts mehr interessantes. Computerspiele und WhatsApp Gruppen waren sowieso jenseits jedes denkbaren Horizonts.

In der Rückschau hatte diese öde Medienlandschaft etwas für sich.
Eine nach langem Frust geborene Idee war noch ein echtes Highlight und konnte zumindest mich mit soviel überschwappenden Optimismus füllen, dass ich mich schlagartig fähig fühlte, Berge zu versetzen und mein Leben künftig nur noch in den Dienst einer neuerfundenen, wunderbaren weltverbessernden Sache zu stellen.

Ich erinnere mich so ganz entfernt an einen wunderschönen Frühsommertag, ich war noch neues Schulkind in den ersten Ferien und mein Freund A. war zu Besuch. Wir spielten im Garten in einem -nach einem kräftigen Sommerregen- herabgerieselten Meer von sahnigweißen Rosenblättern der Sorte New Dawn. (Man schaue hierzu bei Gärtner Pötschke nach: Diese Sorte gibt es heute noch als üppig blühende Heckenrose. Wir hatten sie damals in meterlangen Massen am Gartenzaun und wussten sie doch gar nicht richtig zu schätzen.).
Zurück zu uns zwei Kindergartenkindern: Inmitten von Rasen, Rosen und Vorgartensteinchen traf uns eine wunderbare Idee wie der Blitz: Wir werden Parfümeure! (Das Wort kannte ich übrigens damals noch gar nicht)

Grundmaterial war im Überfluss vorhanden: Duftende Blätter und noch durchaus lebensfähige Blüten an der Hecke. Dazu Wasser aus dem alten rostigen Gartenkran.
Auch Kunden würde es ohne jeden Zweifel genügend geben: Standen doch Literflaschen voll 4711 Kölnisch Wasser an jedem Gästewaschbecken, deren Inhalt auch Männer ohne viel Haare nach jedem Händewaschen großzügig auf Glatze, Hände und Nacken rieben. Zur Erfrischung! Wie würden sich diese Duftamateure wohl erst auf unserer Rosenparfüm stürzen?

Mit Feuereifer sammelten wir also, pflückten und rupften Rosen mit Stumpf, Stiel und Dornen, (letzteres durchaus zum späteren Entsetzen meiner Mutter) , stampften die Biomasse in unseren Eimerchen, schütteten oder tröpfelten Wasser dazu, schnüffelten und siebten, dass jeder Erlebnispädagoge seine wahre Freude gehabt hätte. Stunden- , vielleicht auch tagelang, das weiß ich gar nicht mehr.

Und woran letztendlich unser großes Projekt gescheitert ist, habe ich auch vergessen.
Unvergesslich ist mir aber dieses Gefühl im sonnigen Garten, die Welt und das Leben, nicht zu vergessen meine Familie, mit einer tollen Idee bereichern zu können.

Von meinem Freund A habe ich nach der Grundschulzeit nie wieder etwas gehört.
Vielleicht ist ihm in der Pubertät eine Riesennase gewachsen und er verdient heute sein Geld in einem der legendären Duftlaboratorien in Paris? Vielleicht recherchierte ich das einmal in einer langweiligen Stunde.
Grüße an den Rosenberg
KiWi

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