Colour me: Mit Farbe ist das Leben bunter.

Mit Farbe ist das Leben bunter.  Dieser Satz, der Ihnen vielleicht profan vorkommt, trifft auf mich 150 % zu.
Gerade heute Morgen hat mich meine Hose, die mit vielen bunten Schmetterlingen geradezu übersät ist, wirklich positiv auf den Tag eingestimmt, obwohl ich im Moment mit eher unbunten Gedanken lebe.

Meine Entscheidung in Sachen Kleiderwahl habe ich daher sehr bewußt getroffen – andere nehmen Globuli, damit es ihnen besser geht.
Denn meine Mutter, die seit ein paar Monaten im Seniorenheim lebt, ist mit fast 88 immer wieder gebeutelt von Krankheiten und Alt(ers)lasten und meine Fantasie über das, was kommen könnte oder auch kommen wird, hat Ausschläge in jede Richtung der Farbskala.

Nachts sind alle Katzen grau! Dieser Satz hat viel Wahres in sich, denn die Gedanken, die zwischen Ruhen und Traum komischerweise sofort bewußt parat sind, obwohl mein Körper noch zu schlafen scheint, sind bei mir oft farblos, bedrückend und beklemmend. Geht Ihnen das auch so? Bei mir liegen riesige Unterschiede zwischen dem, was ich zu einem bestimmten Thema nachts denke oder morgens beim wach werden. Das Gedachte ist vielleicht gleich, aber die Farbstimmung dazu ist einfach anders.

Warum das so ist, weiß ich nicht – wahrscheinlich braucht man Licht um Leuchtendes zu erkennen? Aber dann müßten Blinde ja nicht positiv denken können, und das ist ganz sicher nicht der Fall … dazu erscheint doch jedem Menschen eine warme rosarote Aureole vor Augen, wenn man sich das Gesicht seines Liebsten beim Küssen vorstellt, oder nicht?
Vielleicht ist es eben nur sehr subjektiv, welche farbigen Assoziationen mit Gefühlen verbunden sind. Und bei mir überwiegt -zurück zum Ausgang der Überlegungen – beim Aufwachen die Zuversicht zu wissen, dass die Dunkelheit vorbei ist und ein heller Tag vor mir liegt.

Sehr persönlich: Meine Grundstimmungen werden jedenfalls von Farbigkeiten stark beeinflusst!
Erinnern Sie sich an die Beratungsszene in Herrn Loriots Film Ödipussy, in der er mit einem großen Stoffmusterbuch auf dem Schoß dem älteren Ehepaar die Wirkung von Farbigkeiten bei Sitzmöbeln erklärt? (Ich zitiere: “Violett ist nicht ungefährlich.” “Warum?” “Frauen bringen sich in violetten Sitzgruppen um. Alleinstehende Frauen.” “In Turin hat sich ein Fußballer auf seinem Sofa erschossen. Aber das war gelb.” )
Vielleicht verführt ein graues Sofa zum Mord? Auch wenn es da so lustig klingt, würde auch ich wahrscheinlich in einer dauerhaft grauen Wohnung (keine Angst, ein graues Sofa reicht noch nicht) einen Mitmenschen abmurksen. Eine interessante Verwandtschaft sehe ich da übrigens auch zwischen ‘grau’ und ‘grauenhaft’.

Damit meine Freundin K. jetzt nicht empört in Ohnmacht fällt, habe ich zu diesem Satz noch folgende Ergänzung: Ich weiß es durchaus zu schätzen, wenn eine tolle Dame mit leuchtend grauen Haaren den Raum betritt. Noch besser gefällt es mir aber, wenn Sie zum Beispiel ein magentafarbenes oder knallblaues Tuch dazu trägt.

Wussten Sie eigentlich, dass alle Farben in Tuben oder Farbkästen zusammen gemischt totensicher ein recht schmutziges Braun ergeben? Erinnern Sie sich doch mal an ihre Schulzeit, als die weißen emaillierten Deckel der Farbkästen stets vollgeschmiert waren mit schmutzigen Unfarben. Da war eben alles zusammengemengt, aus Entscheidungsangst für eine Farbe (…und natürlich auch aus Faulheit, es sauber zu machen!)
Denn ein klares Bekenntnis zu einer starken Farbe erfordert Mut –
Giftgrüne Kleider oder schockorange Haartönungen z.B. sind Statements und gefallen lang nicht jedem, wo wir alle am liebsten doch allen nur gefallen möchten.
“…ist mal was anderes” oder “du traust dich wirklich was” sind dann die Antworten höflicher Menschen, die man nach ihrer Meinung zur gewählten Farbigkeit befragt.
Beim näheren Betrachten fällt dann auf, dass sich besagte Zeitgenossen oft gerne mal bei ihrer Kleidung für den Mittelweg in Sachen Farbe entschieden haben. Ein bisschen von Allem, ein bisschen für Jeden, bisschen Rot, ein bisschen Blau, ein bisschen Gelb, ein bisschen Grün …schon hat man einen allgefälligen Mischmasch, .. das ist ganz nett!
Aber eben nicht grandios, umwerfend, atemberaubend oder auch schrecklich!! Sondern ganz nett.

Falls es Sie interessiert: Meine persönliche Meinung ist ja, dass die Erfolgsgeschichte von Bahamabeige in Badezimmer- und Kücheneinrichtungen genau diesem fehlenden Mut zur Farbentscheidung geschuldet war. Jetzt ist ‘Bahama-Beige’ gottlob abgelöst von Taupe, auch so einer Unfarbe.

Wer sich jetzt über meinen Text schwarz geärgert hat, kann sich freuen, denn für heute bin ich fertig und male weiter an meinem Bild von der Welt.
….mit starken Farben! Herzlich

KiWi

 

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