Es wird Herbst – Brauchen Sie nicht noch einen neuen Mantel??

Letzte Woche habe ich zwei große Postkartons voll mit gut erhaltenen Markenklamotten zu einem Secondhändler geschickt.

Das ist ein wunderbar bequemes Entsorgungssystem: Man entscheidet am Bildschirm ganz grob, ob Hemdlein, Höslein oder T-Shirt auf die Reise gehen sollen, benennt kurz das Label und bekommt sofort einen kleinen Betrag angezeigt, für den das gute Stück vom Händler (selbstverständlich nach eingehender Prüfung) angekauft wird.
Natürlich ist es erschreckend, wenn der Erlös für ein Designerkleid, welches einstmals ein größeres Loch in den Modeetat riss, auf diese Weise gerade noch ausreicht, um dafür einen halbedlen Lippenstift im Drogeriemarkt zu kaufen, aber bei der Menge der aussortierten Habseligkeiten kommt zum guten Schluss doch einiges zusammen .

Zukleben, Etikett ausdrucken, fertig: Es ist eine echte Erleichterung, das Paket zur Post zu bringen und die Sachen aus dem Kopf zu schicken.

Mal ganz abgesehen vom Salär, der am Ende dabei herauskommt, ist es für mich eben nie befriedigend, mit meinem Wäschekorb den Kleidercontainer anzusteuern. So traurig ist es , sich vorzustellen, dass  mein guter alter Mantel am Ende nur zu einem ollen Putzlumpen für Autopolierer mutiert.
Oder steht hinter dem Textilentsorgungsystem am Ende doch irgendein verlogener Haderlump, der demnächst meinen guten Mantel für ebenso gutes Geld auf dem nächsten Flohmarkt verkauft?

Da stecke ich meinen (bald nicht mehr) Besitz doch lieber in dieses Paket und stelle mir vor, dass eine Fashionista wie ich demnächst im Internet ihr/mein Traumstück für kleines Geld erwerben kann. Und es wirklich zu schätzen weiß!

Ich spüre übrigens sofort mit Erleichterung, daß sich die doppelt behängten Bügel auf meiner voll geprofften Kleiderstange schon wieder ein bisschen leichter hin und her schieben lassen.
Vielleicht sollte ich es wirklich lassen, mit diesem gerade erworbenen Gefühl der textilen Erleichterung sofort auf neue Beutesuche zu gehen?
Auf dem Tisch liegen schon seit 2 Wochen diverse Modezeitschriften und Kataloge mit den neuesten Wintertrends und machen Lust darauf, die Seele textil zu wärmen.

Warum hat man eigentlich nie genug? Es liest sich doch so romantisch, dass man Ballast jedweder Art abwerfen und damit leichter durchs Leben gehen soll.
Zwei Pullover im Wechsel würden in jedem Fall reichen: Einer vielleicht noch für Notfälle,…. Vielleicht noch ein Festgewand für große Geburtstage, ein Outfit für die Gartenparty, ein schwarzer Mantel für Beerdigungen…. Ruckzuck ist der Schrank wieder voll!

Ich liebe eben Klamotten nicht nur, weil sie bedecken und warmhalten, sondern auch weil sie Spaß machen, schön sind und vielleicht sogar schön machen. (Wie sagt der Fachmann? Vorteilhaft!!)

Natürlich liegt Schönheit immer im Auge des Betrachters, aber bestimmte Schnitte, Materialien und vor allem Muster erwecken in mir den unwiderstehlichen Drang des ‘Besitzen-wollens’.

Als farbaffine Designerin sammele ich zum Beispiel kunstvoll handgestrickte Pullover aus Peru in zauberhaften Farbnuancen aus Pflanzenfarben, die ich zum Teil auf ausländischen Plattformen secondhand ‘günstig’ ersteigere und trotzdem sogar schon verzollen musste.
Niemals vergesse ich die Blicke der Beamten im benachbart-ländlichen Zollamt (nebenbei bemerkt eingerichtet mit dem Charme der Nachkriegsjahre), als ich bei angeordneter ‘Augenscheinnahme des Inhalts’ ein solches Strickleibchen aus der improvisierten Schutzverpackung herausschälte, welches sehr wohl mit einer leichten Geruchsaura von der lange Seereise zeugte.
Wahrscheinlich wurden die Beamten angesichts der gezogenen Farbwechselfäden auf der linken Seite an ihre von lieben Omas gestrickte ‘Wollhöschen für den Sandkasten’ erinnert – und sehr wahrscheinlich werden sie sich auch gefragt haben, welche Verrückte in dieser modernen Welt von Kick und Klicks noch bereit ist, für so ein Machwerk Zoll zu zahlen.

Komisch – auf manche Modelle und Farben steuere ich immer wieder zu wie die Motte aufs Licht – auch wenn ich schon mindestens vier Pullover mit rostroten Schattierungen besitze, muss ich einfach auch noch den fünften (und sechsten) erwerben.
Das hat den Vorteil, dass mein Mann manchmal gar nicht merkt, dass ich schon wieder etwas Neues besitze…. Wir haben allerdings einen gemeinsamen Ebayaccount, der ihm stets, wenn er die Seite aufruft, stolz verkündet, was seine Ehefrau wieder ersteigert hat. Eigentlich ist es ihm egal, hauptsache ich freu mich drüber, verstehen kann er meinen Hang zu ‘mehr als genug Klamotten’ allerdings nicht .
Nebenbei bemerkt: Er hat mehrere Schranknestchen voll mit diversem Werkzeug, das wir m.E. auch nicht unbedingt brauchen.

Mindestens 6 Schraubenzieher! Da sind wir wieder quitt!
Halten Sie sich warm – der Herbst kommt!
Gruß KiWi

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