Krümel, Krümmler und das Salz des Lebens

Klirrrrr:

Das Klingelzeichen-Geräusch eines weg geworfenen Kronkorkens aus dem Mikrofon meines Handys kündet mir von einer brandneuen Videonachricht meiner kleinen zehn Monate alten Zuckermaus-Enkelin aus dem Familien-Urlaub am azurblauen Meer.
Beim Betrachten des kleinen Filmes brennt sich bei mir in unvergesslichen Bildern die schiere Glückseligkeit einer einfachen Nahrungsaufnahme ein.

Im Badehöschen auf dem Bauch ihres Vaters schaukelnd, einen Rest von Krümelkeks in der Hand, gibt sich unser Herzenskind in aller Ruhe und mit allen Sinnen der Freude des einfachen Essens hin:
Njam, njam, mhhhh, hamnjam.. Es ist schwer, diese unsagbar sinnlichen Laute in einer geschriebenen Form wiederzugeben. Einfacher wäre es, das Video selbst an dieser Stelle einzufügen, aber das mache ich aus Datenschutz-gründen natürlich nicht.

Auf den ersten Blick zeigt das Urlaubsfilmchen wenig Action, …nur eine einzige Kamera-Einstellung auf den weiblichen Star in ,real time’ und  der Film geht  ab.

Unsere Hauptdarstellerin ist ungemein focussiert – ihr ausgesprochen bröseliges Backwerk wird in tranceähnlicher Ruhe mit der Zunge erkundet, mit den wenigen Zähnchen geräuschvoll geknackt und zerraspelt, mit Spucke vermatscht, durch die Zahnritzen gedrückt, mit den Fingern betastet und endlich vielleicht sogar ein bisschen verschluckt.
Da ist so gar nichts für den Hunger,…nein, man kann es sehen, das ist wirklich nur für die schiere Lust!


Dazu scheint die Sonne aus blitzblauem Himmel, Papas sixpackiger, aber ruhig atmender Bauch sorgt für das wohlige Wasserbettfeeling, kein störender Waschlappen in Sicht und keiner, der Manieren einfordert.
Oscarwürdig ist dieses selig schmatzende Kind, finde ich als Oma jedenfalls.

Ich versinke: Murmelndes Hintergrundrauschen platschender Kinder im Pool, das Sch-Sch-Sch- Schleifen des Windes und das leise Plätschern der Wellen wärmen mich von innen, lassen meinen Blutdruck um etliche Einheiten fallen und versetzen mich fast in einen meditativen Zustand.

Wann jemals wieder im Leben kann man mit solcher Selbstvergessenheit tote Kalorien zu sich nehmen, ohne von ihnen zu wissen, ohne über kneifende Bündchen nachzudenken oder über den Geschmack oder Cholesteringehalt von Butterkeksen?.
Wie herrlich ist es, dass unser Kind noch nicht darüber nachdenkt, ob Plätzchen gesund sind oder ob man sie selber -vielleicht sogar besser- nachbacken könnte, sie sinnt nicht darüber nach, ob es das Mittagessen schon in 2 Stunden gibt, assoziiert nicht, was man zur nächsten Einladung von Freunden kochen könnte oder überlegt gar, ob der trommlbauchdicke Facharzt, den man kürzlich hier im Ort besuchen musste, so gar nicht über seine Vorbildfunktion gegenüber seinen Patienten und über gesundes Essen nachzudenken scheint.

Ja, ich gebe es zu:  Dieses losgelöste unkritische Schmecken und Genießen habe ich verloren. Je älter man wird, desto anstrengender wird das richtige, das heißt gesunde und auch leckere Essen. Überhaupt das Essen, das Kochen, das Verzehren, das Vertragen.

Meine Mutter muss wegen ihrer schweren Krankheit seit einigen Wochen -wenn möglich – völlig salzfrei leben und das ist wahrlich keine einfache Vorgabe. Käse, Wurst, Brot: No Go!
Die meisten Konserven und Fertiggebinde aus dem Lebensmittelhandel sind auch im großen Ganzen ausgeschlossen! Vom normalen Mineralwasser ganz zu schweigen.
Selbst der wirklich fabelhaft ausgestattete neue Bioladen in Wiehl muss bei salzfreier Kost passen.

Da diese verordnete Diät aber nun mal keine kurzfristige Mutprobe ist, oder eine ‘Challenge’ wie man heute so schön in Facebook-Zeiten sagt, sondern eine lebenslange Vorgabe, möchte ich nicht jeden Tag meine Mutter ihrem Schicksal mit salzlosen Pappkartoffeln und Wassergemüse überlassen, und so kaufe ich für meinen neuen, maßgeschneiderten Oma-Catering Service ins Seniorenheim jetzt mit ganz neuen Augen ein.
Und zwar buchstäblich, da ich keine Kaufentscheidung treffen kann, ohne die Lesebrille zu zücken, um das wirklich klein Gedruckte auf den Rückseiten zu lesen.
Die oft diskutierte Gesundheitsampel auf den Verpackungen wäre jetzt sehr nützlich, allerdings nur für die schnelle Vorauswahl, denn um sich endgültig entscheiden zu können, muß man leider auch ein bisschen von Prozentrechnung wissen und auch über den Tagesbedarf deutscher Erwachsener an diversen Ingredienzien informiert sein.

In diesem Zusammenhang läuft jetzt bei meinen täglichen ‘Butterfahrten’ manches etwas vernachlässigtes Gemüse zu ganz neuen Höhen auf. Hätten Sie es gewußt? Sellerieknollen und Porreestangen, gedörrt mit einer Zehe Knoblauch, einer Chilli-Schote und ein bisschen Zitronengras wird nach dem Zerkleinern in der Küchenmaschine zum streufähigen Salzersatz, das selbst bei kritischen Maggie-Liebhabern Gnade findet.

Tja, das Leben ist nicht nur Zuckerschlecken, und wenn man kein Salz in der Suppe hat, muß man eben Sellerie nehmen! Hauptsache genießen!!
Bis bald
KiWi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.